Kontakt- und Informationsstelle Selbsthilfegruppen in Mittelfranken
Patientenkongress Depression in Leipzig
gelungen und empfehlenswert!
Eine Mitarbeiterin von Kiss Nürnberg nahm teil, hier ist ihr Bericht:
Der 1. Deutsche Patientenkongress Depression für Betroffene und Angehörige am 2. Oktober in Leipzig war aus meiner Sicht eine rundherum gelungene Veranstaltung. Der Kongress mit über 1000 TeilnehmerInnen war von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und der Deutschen DepressionsLiga organisiert worden.
Was mir ganz besonders auffiel, war das Bemühen um einen Dialog zwischen allen Anwesenden auf gleicher Augenhöhe. Kein/e einzige/r Redner/in vermittelte den Drang nach Selbstdarstellung, allen ging es ausschließlich um die Inhalte und um die politische Lobbyarbeit für Depressionskranke. Die Beiträge waren kurz, inhaltsreich, klar und abwechslungsreich, so dass auch keine Unruhe im Publikum aufkam. Sehr interessant und neu in der Landschaft der Hilfsangebote für Depressionskranke ist das Online-Forum zum Thema. Es bietet für viele Menschen die erwünschte Anonymität, für jüngere Menschen das richtige Medium und für Menschen aus strukturenschwachen Gegenden die einzige Möglichkeit sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Zu finden ist das Forum unter www.diskussionsforum-depression.de.
Die abschließenden Workshops gaben den Teilnehmenden die Möglichkeit sich nochmals intensiver zu verschiedenen Themen auszutauschen.
In allen Beiträgen und Diskussionen wurde immer wieder deutlich, dass die Schwerpunkte der Arbeit zum Thema Depression auch in den nächsten Jahren auf der Verbesserung der Vernetzung aller Hilfsangebote und der Aufklärung in der Öffentlichkeit liegen muss, um der Stigmatisierung von Depressionskranken etwas entgegensetzen zu können.
Im Rahmenprogramm gab es ein kurzes Orgelkonzert auf der gigantisch großen Gewandhausorgel, die durchaus gelungene und angemessen humorvolle Moderation von Harald Schmidt, ein Fotowettbewerb zum Thema „Wege aus der Depression“, ein Film und musikalische Beiträge vom Ensemble „Bella Musa“ von Wege e.V., einer Initiative für psychische Kranke.
Sowohl die Inhalte, als auch das Rahmenprogramm und die hervorragende Organisation (es lief trotz der 1000 Teilnehmenden alles vollkommen reibungslos) drückten eine Wertschätzung des Engagements der anwesenden Betroffenen und Angehörigen aus.
Und zu guter Letzt sei erwähnt, dass der Kongress nicht von der Pharmaindustrie, sondern ausschließlich von Krankenkassen, der Leipziger Zeitung und von der Handwerkskammer gesponsert wurde. Die Geschäftsstelle der Stiftung Deutsche Depressionshilfe wird von Harald Schmidt persönlich finanziert.
Sollte ein Kongress in dieser Form nochmals stattfinden, kann er für betroffene Menschen aus Selbsthilfegruppen, die den bundesweiten Austausch mit Menschen aus anderen Selbsthilfegruppen suchen, auf jeden Fall eine Bereicherung sein.